Saudi-Arabien gegen die Huthi: Nähert sich bin Salman dem Wendepunkt?
Der Druck aus dem Jemen, die Grenzen der amerikanischen Unterstützung und neue regionale Bündnisse stellen Riad vor ein strategisches Dilemma. Die ungewöhnliche Einschätzung des ehemaligen hochrangigen Mossad-Mitarbeiters Oded Eilam wirft eine weitergehende Frage auf: Wird der saudische Kronprinz seine Strategie ändern müssen?
Von Dino Daniel
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Der anhaltende Konflikt im Jemen stellt Saudi-Arabien vor eine komplexe sicherheitspolitische und strategische Herausforderung. Die von Iran unterstützten Huthi verfügen weiterhin über die Fähigkeit, Schifffahrtswege, Infrastruktur und Ziele in der Region zu bedrohen und damit direkten wie indirekten Druck auf Riad auszuüben.
Vor diesem Hintergrund sorgte eine ungewöhnliche Äußerung von Oded Eilam, einem ehemaligen hochrangigen Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes Mossad, für Aufmerksamkeit. In einem Interview mit dem israelischen Radiosender 103FM am 18. September erklärte Eilam, Saudi-Arabien befinde sich in einer schwierigen Lage. Seiner Einschätzung nach würden die Huthi einen erheblichen Teil der Realität im jemenitischen Konflikt bestimmen. Er ging sogar davon aus, dass Mohammed bin Salman relativ schnell an einen Punkt gelangen könnte, an dem er sich zur Aufgabe gezwungen sehe.
Wichtig ist jedoch: Dabei handelt es sich um die persönliche Einschätzung Eilams und nicht um eine offizielle Erklärung der saudischen Regierung oder um einen belegten Hinweis darauf, dass Mohammed bin Salman tatsächlich vor einer Kapitulation steht.
Das saudische Militär – zwischen Stärke auf dem Papier und Realität vor Ort
Besonders interessant ist der von Eilam angesprochene Widerspruch. Saudi-Arabien verfügt über enorme wirtschaftliche Ressourcen, ein großes Militär und moderne Waffensysteme. Die Auseinandersetzung mit den Huthi zeigt jedoch, wie schwierig es für eine regionale Großmacht sein kann, ihre wirtschaftliche und technologische Überlegenheit in einem komplexen geografischen Umfeld in eine schnelle militärische Entscheidung umzusetzen.
Die Huthi sind kein Staat mit einer großen konventionellen Armee. Ihre Stärke beruht unter anderem auf der Fähigkeit, Ziele aus großer Entfernung anzugreifen, Drohnen und Raketen einzusetzen, sich in schwierigem Gelände zu bewegen und einen Konflikt über einen langen Zeitraum fortzuführen.
Für Riad entsteht daraus ein strategisches Problem: Auch militärische Überlegenheit führt nicht zwangsläufig zu einem schnellen Sieg.
Die eigentliche Bewährungsprobe: Bab al-Mandab
Die Bedeutung des Jemen geht weit über die saudischen Grenzen hinaus.
Bab al-Mandab gehört zu den wichtigsten Seewegen der Welt. Die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und hat damit erhebliche Bedeutung für den Handel und den Transport von Energie zwischen Asien, Europa und dem Nahen Osten.
Jede Bedrohung der freien Schifffahrt durch die Huthi ist deshalb nicht ausschließlich ein saudisches Problem. Sie besitzt regionale und internationale Auswirkungen.
Aus Sicht Riads ist die Lage besonders komplex: Saudi-Arabien muss nicht nur seine Grenzen schützen, sondern auch seine Energieinfrastruktur und Exportwege sichern.
Und was ist mit den Verbündeten?
Eine zentrale Frage lautet, in welchem Umfang Saudi-Arabien im Krisenfall auf seine regionalen und internationalen Partner zählen kann.
Im August wurde zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan ein Verteidigungsabkommen geschlossen. Darin wurde grundsätzlich erklärt, dass eine Aggression gegen eines der Länder als Bedrohung für alle drei Staaten betrachtet werden soll. Die Existenz eines solchen Abkommens bedeutet allerdings nicht automatisch, dass bereits feststeht, wie und in welchem Umfang es im Falle eines Konflikts tatsächlich umgesetzt würde.
Auch die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten sind nicht unkompliziert. Riad ist an amerikanischer Sicherheitsunterstützung und militärischer Zusammenarbeit interessiert. Washington ist jedoch nicht zwangsläufig ber
